.… dem Kindergarten Ursulastraße in Ofterdingen mit einer kleinen Geschichte alles Gute zum Geburtstag von einer, die dort immer richtig gern hingegangen ist!

Man schrieb das Jahr 1854, als Johann Martin Schmid noch einen letzten Blick auf den Kirchturm warf und dann seinem Heimatort Ofterdingen den Rücken kehrte. Seine Eltern, den Weber Caspar und dessen Frau Ursula Schmid, ließen ihn nur schweren Herzens ziehen. Martin war erst 14 Jahre alt, als er seine Reise quer durch Deutschland antrat und in Bremerhaven das Schiff nach Amerika bestieg. Er sollte sie nie wieder sehen. Wie es dazu kam, dass der Ofterdinger im fernen Texas 60 Jahre später den Bau des heutigen Kindergartens an der Ursulastraße ermöglichte, lesen Sie hier:

Johann Martin Schmid ließ sich in Texas nieder. Er heiratete, seine Frau Rosa und er bekamen eine Tochter, Catherine. Es muss 1912 gewesen sein, als sein Jugendfreund, der Schreiner Bernhard Hausch aus Ofterdingen, ihm in einem seiner regelmäßigen Briefe schrieb, dass man in Schmids Heimatort zwar gerade eine neue Schule im Burghof baue, für eine Kleinkinderschule aber das Geld fehle. Ein Jahr später stellte Martin Schmidt, wie er sich in Texas nannte, 5.000 Dollar zur Verfügung. Seine einzige Bedingung: Die Kleinkinderschule sollte den Namen „Ursulastift“ tragen, nach seiner Mutter und seiner Großmutter, die er 60 Jahre zuvor zum letzten Mal gesehen hatte.

Wie eng der Auswanderer Zeit seines Lebens mit der Heimat verbunden geblieben war, zeigte sich erst recht, als Schmid starb. Sein ganzes Vermögen hatte er dem Ursulastift vermacht. Den Ofterdingern wurde schwindelig, als die Nachricht über den Inhalt des Testaments 1913 eintraf: Mehr als 21.000 Dollar, zum damaligen Wechselkurs fast 100.000 Mark waren für die Kleinkinderschule und die angegliederte Krankenpflegestation gedacht. Schmids Frau Rosa und die gemeinsame Tochter Katie sollten allerdings leer ausgehen und klagten. Während der juristische Streit über den Atlantik hinweg geführt und am Ende ein Vergleich gefunden wurde, wurde neben der Mauritiuskirche eifrig gebaut. 1915 war es soweit: Das „Ursulastift“ war fertig und wurde eingeweiht. Seither sind Generationen von Ofterdinger Kindern hier ins „Schüle“ gegangen. Auch meine Mutter und all ihre Geschwister haben in den 1920er und 1930er Jahren hier gespielt und gelacht, wie Jahrzehnte später meine beiden Brüder und ich selbst.

Dem Kindergarten Ursulastraße zum 100. Geburtstag alles Gute!

 

Die Geschichte des Auswanderers Johann Martin Schmid habe ich für mein 2008 im Tübinger Attempto Verlag erschienenes Buch „Lebenswege von Auswanderern. Aus dem Steinlachtal in die Welt – Portraits aus zwei Jahrhunderten“ recherchiert und geschrieben. Der Text hier ist eine Zusammenfassung. 

Text zum Bild: Wie Generationen von Ofterdinger Jungen und Mädchen waren auch Irma (von links), Käthe und Gertrud auf dem Foto aus den 1930ern im „Schüle“ in der Ursulastraße….