Einige Zahlen, die ich für wichtig halte als Hintergrund für die aktuellen Ereignisse und die Debatte: Zwischen 1815 und 1940 verließen 50 bis 60 Millionen Menschen Europa auf Dauer. Sie flüchteten vor Kriegen, politischem oder religiösem Druck, Hunger, sehr viele flüchteten vor der wirtschaftlichen Not in ihren Heimatländern.

Rund sieben Millionen Deutsche wanderten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und im 20. Jahrhundert (bis 1974) allein über die Auswandererhäfen in Bremerhaven und Hamburg aus. Nicht mitgerechnet sind dabei all jene unserer deutschen Landsleute, die über andere Häfen wie Genua oder Rotterdam oder über den Landweg Richtung Osten emigrierten – und sich dort eine neue Existenz aufbauen mussten.

Ein Zitat aus einem Text von Dr. Simone Eick, der Direktorin des Deutschen Auswandererhauses in Bremerhaven:

Insgesamt war die Zeit zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Beginn des ‚Wirtschaftswunders‘ in Deutschland eine Zeit enormer Wanderungsbewegungen, wobei die Einwanderung deutlich überwog: Zwar verließen in diesen Jahren allein über Bremerhaven
800.000 ‚Displaced Persons‘ das Land und knapp 500.000 Deutsche wanderten aus; jedoch kamen über zwölf Millionen Menschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach Deutschland. Die deutsche Migrationsgeschichte blieb bis zur Wiedervereinigung 1989 viel stärker von der Ein- als von der Auswanderung geprägt.“

Entnommen aus Simone Eicks Vorwort zu meinem Buch „Lebenswege von Auswanderern. Aus dem Steinlachtal in die Welt – Portraits aus zwei Jahrhunderten“ (Attempto Tübingen, 2008)

Foto: Liane von Droste