„Wie man sich erinnern wird, herrschte im Jahre 1847 ein Auswanderungsfieber, von welchem auch mein Mann ergriffen wurde. Es erging uns hier nicht gut. Wir hatten mit dem Leben zu kämpfen. Die verlockenden Berichte von Amerika, dort leichter ein sorgenfreies Leben erringen zu können, in Freiheit und Unabhängigkeit, mit geringen Mitteln, verführten die Europamüden.

Es hatte sich der sogenannte Adelsverein gebildet, an dessen Spitze der Prinz Solms stand. Die Versprechungen waren verlockend, der Verein sollte einen großen grant in Texas erwerben, und jedem Auswanderer wurden 444 Acker Land und jede mögliche Hilfe zum Empfang versprochen. Du kanntest meinen lieben, guten Vater und kannst Dir den Kampf denken, mich mit meinen zwei Kindern in diese ungewisse Ferne ziehen zu lassen. Wir kamen endlich zu dem Entschluß, meinen Mann allein vorausgehen zu lassen. Sollte er sich getäuscht finden, so war es für ihn allein leichter, wiederzurückzukommen.

So geschah es. Hanke reiste ab. Nach sechs Monaten kam ein Brief, er werde dort bleiben. Mit dem sogenannten grant stände es faul, das Land liege tief im Innern von Texas, im Indianer-Territorium und sei noch gar nicht zu bestellen. Der größte Teil der Familien, die mit ihm gegangen waren und sich auf die Versprechungen verlassen hätten, seien unterwegs umgekommen, die anderen auf eigene Hand da oder dort geblieben.

Er selbst sei in der ersten Hafenstadt Galveston zurückgeblieben, um Näheres zu hören. Dort hatte man ihm den Rath gegeben, für sich allein zu sorgen und etwa hundert Meilen weit ins Innere des Landes zu gehen. Dort solle er bei einem Amerikaner in den Dienst treten und dann weiter sehen. Der Rath war gut. In das Hotel, wo Hanke logierte, kam aus dem Inneren ein biederer amerikanischer Farmer. Sie lernen sich kennen, gewinnen gegenseitig Zutrauen zueinander. Der Amerikaner schlägt meinem Mann vor, mit ihm ins Innere zu gehen und bei ihm einzutreten.(….)“

 

Dieser Text ist von Julie Hanke und eine Leseprobe aus meinem Buch:

© Liane von Droste, „Dazwischen der Ozean. Biografien, Erinnerungen und Briefe von Deutschen in Amerika nach 1848“, edition steinlach, ISBN 978-3-9815658-0-5

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