Gustav Lenz – ich habe ihn auf diesem Blog vor ein paar Tagen schon kurz vorgestellt – entschließt sich in den Revolutionstagen von 1848 seine Heimatstadt Tübingen zu verlassen und nach Amerika auszuwandern. Die Reise nach Antwerpen und von dort mit dem Schiff nach New York ist beschwerlich, von Komfort an Bord kann keine Rede sein. Wenn er noch einmal reisen könnte, dann sähe sein Proviant anders aus, schreibt er seiner Mutter Rosine Lenz in einem Brief aus New York nach Tübingen:

„In Antwerpen angekommen, empfing uns unser Agent auf dem Bahnhof und wir wurden von ihm in verschiedene deutsche Gast-häuser gebracht. Unsere Zeit bis zum 15ten als dem Abfahrtstagefüllten wir damit aus, daß wir uns auf das Seeleben in jeder Hinsicht einrichteten und das Nöthige einkauften als (wie) Wein (ich und Carl haben 10 Flaschen miteinander gekauft).

Branntwein, den ja niemand vergessen sollte, da man später das stinkend werdende Wasser fast gar nicht ohne welchen trinken kann. Ferner versahen wir uns mit Tabak, Zucker, Pfeffer und Baumöl sowie mit einem Strohsack und Kissen. 

Anmerkung: Hätte ich diese Reise noch einmal zu machen, so würde ich recht viel dürres Obst, guten Neckarwein, Kirschengeist, Chocolade und Eier mitnehmen. Ebenso würd ich mich mit Brodzwieback versehen, das sind etwa 1 1/2 Zoll dicke gedörrte Brodschnitten, die nachdem sie angefeuchtet beinah wie neugebackenes Brod schmecken. Während dem man den von der Agentur gefassten kaum genießen kann. Endlich als wir schon zwei Nächte auf dem Schiff geschlafen hatten, kam der 15te heran….“

 

© Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch:

Liane von Droste, „Dazwischen der Ozean. Biografien, Erinnerungen und Briefe von Deutschen in Amerika nach 1848“, edition steinlach 2013.  Mehr Infos unter www.edition-steinlach.de

Das Bild zeigt die Passagierliste des Segelschiffes „Avalanche“, mit dem Gustav Lenz am 7. Juli 1848 nach sechswöchiger Fahrt über den Atlantik in New York ankam. Neben dem Namen von Lenz findet sich ebenfalls auf der Liste: Sein Freund Carl Denneler aus Tübingen (siehe Blogeintrag hier „Lieber Gustav“…)