Berührend, fröhlich und echt wiederholenswert: Rund 30 Frauen füllten beim Erzählcafé im Evangelischen Gemeindehaus in Ofterdingen gemeinsam mit mir eine große „Geschichtentüte“ mit   Erlebnissen und Erinnerungen.

 

Karin Müller, Heide Raddatz, Manuela Gimmel und Uschi Mehl vom Team des Frauenfrühstücks „Kaffeekännle“ der Evangelischen Kirchengemeinde hatten sich viel Mühe gegeben: Das Frühstücksbüfett war üppig, lecker und schön weihnachtlich dekoriert.

„Ich erinnere mich an ein Gericht aus meiner Kindheit“. Schon die Startfrage für alle fördert sehr Unterschiedliches zu Tage: Vom kindlichen Grausen über „saure Leber“ über die heiß geliebten Pfannkuchen bei der Oma bis zu der leise, aber umso aufrichtiger vorgebrachten Erinnerung an karge Mahlzeiten beim Aufwachsen mit elf Geschwistern reichten die Beiträge. Bei der Einen gab es jeden Sonntag Hasenbraten. „Bei uns auch“, lacht die nächste der Frauen, deren Vater ebenfalls Hasenställe hinterm Haus hatte und die Langohren nicht zuletzt dafür züchtete, dass regelmäßig Fleisch auf den sonntäglichen Familientisch kam. Eine weitere Teilnehmerin erzählt lachend, dass bei ihr und ihren Geschwistern der Hasenkopf als Leckerbissen galt. Damit dieser „gerecht“ unter der vielköpfigen Geschwisterschar verteilt wurde, wurden Strichlisten geführt: Jeden Sonntag kam ein anderer oder eine andere dran.

Das Motto des Erzählcafés „Dronda ond droba“ hatte einige im Vorfeld dazu angeregt, im heimischen Keller – „dronda“ – oder auf der Bühne, also „droba“ auf dem Dachboden, mal nach Erinnerungsstücken zu schauen.  In einer mitgebrachten kleinen Vase stecken viele, ganz persönliche  Erinnerungen. Die Mutter habe sie als junges Mädchen angehalten, doch mal was für die Oma zu basteln, erzählt eine der Frauen. Bevor die Vase fertig getöpfert und der Ton gebrannt war, starb die Großmutter jedoch. „Deshalb habe ich die Vase jetzt schon fast 60 Jahre aufgehoben“.

Den dreibeinigen „Spätzlesdrücker“ aus Metall kennen viele noch aus ihrer Jugend.  Gleich, ob  die Oma damit regelmäßig die Teigwaren für die Familie für die ganze Woche zubereitete oder im Haushalt  einer anderen Frau die drei Metallfüße des schwäbischen Küchenhelfers mit Stricksocken versehen wurden, als der neue Herd kam: Das Email rund um die vier nagelneuen Kochplatten sollte von Kratzern verschont bleiben.

Eine ganz besondere Geschichte hatte auch Manuela Gimmel parat, die das  Snowboard ihres Sohnes als „Erinnerungsstück“ aus ihrem Keller mitgebracht hatte. Beim Skiurlaub im Montafon war der damals Dreizehnjährige mit dem Snowboard auf der Piste in einen  älteren Herrn auf Skiern gefahren. Der Unfall hatte glücklicherweise nur leichtere Blessuren zur Folge, aber man tauschte Namen und Adressen aus, für den Fall der Fälle. Dabei stellte sich heraus, dass Angehörige der beiden Unfallpartner viele Jahre zuvor sich bei einem längeren stationären Aufenthalt in einer Tübinger Klinik kennengelernt hatten. Dort hatte der Opa von Gimmel junior für die Familie des Skifahrers ein hölzernes  Schaukelpferd geschreinert …

Ein Vormittag voller Geschichten, das Zusammensein bei Kaffee und Kerzenschein, der Reichtum an Geschichten, an ganz persönlichen oder im Dorfleben geteilten Erinnerungen. Danke an alle die dabei waren und so begeistert mitgemacht!

Liane von Droste

 

Fotos: Karin Müller