Autor: Gianmarco Amato

 Genie oder Chaot? Maler oder Architekt? Wer war Leonardo Da Vinci wirklich?  So faszinierend seine Person auch ist, so umstritten ist sie auch. Viele halten ihn für das Universalgenie, andere meinen, er sei ein Chaot gewesen. Aber wieso ausgerechnet eine Ausstellung in Tübingen?

Dr. Frank DürrAusstellungskurator, und Bettina Zundel, Museumsmanagerin , im Rittersaal. Foto: Lucie Seibt

Zu seinem  500. Todestag kommt der 1452 in der Gemeinde Vinci geborene und 1519 in Amboise gestorbene Da Vinci in die Universitätsstadt Tübingen. Die Ausstellung „Ex Machina“  im Museum der Universität Tübingen (MUT) soll sich von den vorherigen Tourstops der Ausstellung wie Valladolid in Spanien abheben. Man wolle von Leonardo da Vinci und seinen Ideen und Werken nicht ausschließlich in  Superlativen sprechen – vielmehr wolle man ihn als Person kritisch betrachten, seine positiven und negativen Seiten zeigen, so Dr. Frank Dürr, Kurator des Museums der Universität Tübingen. Zeigen, dass seine Ideen nicht immer nur genial waren, sondern manchmal auch nicht umsetzbar oder fehlerhaft und er sehr chaotisch gewesen sein soll –  deswegen habe man  die Exponate übernommen, aber aus ihrem alten Kontext gerissen und in einen neuen verpackt.

So bewegte sich der homosexuelle Da Vinci beispielsweise in einem Spannungsfeld zwischen Religiosität und Atheismus oder in einem Gewissenskonflikt mit der eigenen Einstellung und seiner Arbeit, wenn er als überzeugter Pazifist für den französischen Hof Skizzen von Verteidigungswaffen anfertigen sollte.

Am Zeichentisch im Rittersaal können Besucher/innen die eigene Kunstfertigkeit probieren. Foto: Lucie Seibt

Warum kommt die Ausstellung ausgerechnet nach Tübingen? Immerhin hat Da Vinci hier nie gewirkt. Was also hat der florentinische Da Vinci in den Räumen des Museums auf Schloss Hohentübingen zu suchen? Kunsthistorikerin und Museumsmanagerin Bettina Zundel erklärt, dass  Barbara Gonzaga von Mantua, die Frau des Gründers der Universität Tübingen, Graf Eberhard im Bart, aus Florenz kam und somit mit den Ideen Da Vincis vertraut war. Außerdem passt die Zeit des Wirkens Da Vincis in das Gründungsjahr der Uni Tübingen 1477. Des Weiteren passe die Ausstellung auch szenisch in den Rittersaal, in dem sich Gipsabgüsse zahlreicher antiker Statuen befinden. Hier erlebt also Leonardo Da Vinci ab dem 3. Mai seine ganz persönliche Renaissance.

Die Exponate sind in fünf Themenbereiche unterteilt:

  • Der Mythos des Universalgenies | Der Leonardo-Hype heute
  • Die Welt neu bauen | Der rastlose Finder
  • Immer stets voran: der Motor von Bewegung
  • Visionäre Wunderwaffen: der militante Pazifist
  • Die Zeichnung: Studieren und Strukturieren

 

Um die kleinen Entdecker und Forscher kümmert sich Leo Da Winzig und nimmt diese mit in seine spannende Welt. Die Eröffnung der Ausstellung ist am 2. Mai um 19 Uhr in der Schlosskirche. Ein umfangreiches Begleitprogamm wartet auf die Besucher. Die Ausstellung ist von 3. Mai bis 1. Dezember 2019 zu sehen.

Mehr Informationen unter https://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/de/ausstellungen/sonderausstellungen/ex-machina.html

 

Titelbild oben:

Es gibt viele Gründe Leonardo da Vinci und seine Maschinen nach Tübingen zu holen, finden die beiden Ausstellungsmacher Ernst Seidl und Frank Dürr.    Foto: Liane von Droste