45 Jahre hatte sie ihre Heimat Mössingen nicht mehr gesehen, als Agnes Barbara Day die oben abgebildeten Weihnachts- und Neujahrsgrüße 1922 aus New York ins Steinlachtal schickte.

Der Brief kam zusammen mit einem Geldbetrag an. Die ausgewanderte Mössingerin bat darum, mit ihrer Spende  eine neue Altarbibel für die Peter- und Paulskirche anzuschaffen.

Zu der Kirche ihrer Kindheit hatte sie einen engen Bezug: 1873 war die Verfasserin des Briefes als Agnes Barbara Müller in einem kleinen Häuschen direkt an der Kirchenmauer geboren worden. Es steht heute nicht mehr.

Ihre Eltern riefen sie Agnes, nach einer ihrer verstorbenen Schwestern. Ihre Mutter Anna und ihr Vater Jakob Müller hatten acht weitere Kinder. Sieben davon starben schon im Kindesalter und waren auf dem Friedhof gleich hinter der Kirche begraben worden. Anfang 1877 entschloss sich die Familie, in Amerika einen Ausweg aus ihrer Not zu suchen. Die Müllers packten ihre wenigen Habseligkeiten und wollten ihr Glück in Amerika versuchen.

Am 26. Mai 1877 betraten Anna und Jakob Müller und ihre Töchter, Maria,  neun  Jahre,  und  Agnes  Barbara,  vier  Jahre,  erstmals  amerikanischen Boden. In  New Yorker Passagierlisten aus dieser Zeit findet sich der Eintrag, dass sie mit dem Dampfschiff „Bremen“ die weite Reise unternommen hatten.

Text und Recherche: Liane von Droste